18.1. Haarlem

Wenn man so über Land fährt, stellt man fest, dass die Niederlande eigentlich keine besonders schönes Landschaft haben. Es ist halt flach, ohne jede Erhebung, was eine gewisse Eintönigkeit hervorruft. Die Flächen werden intensiv genutzt. Überall Weideflächen oder Ackerbau, dazwischen lange, flache Gebäude, die für den Gartenbau genutzt werden oder kleineren Industriebetrieben Platz geben. Ungenutzte Landschaft oder Wälder sind nicht zu sehen. Und gleich kommt schon wieder die nächste Ortschaft oder auch nur eine Straßenkreuzung mit Tankstelle, einem Lebensmittelladen, einem Restaurant. Überall sieht man die Bemühungen, dem Wasser Land abzugewinnen und es zu halten. Eine Herkulesaufgabe! Ich meine, große Teile der Niederlande liegen unter dem Meeresspiegel. Ohne funktionierende Deiche ist das Land weg.

Die Grachten, Wasserwege, Flüsschen und Seen, die überall zu sehen sind, sind Teil eines komplizierten Systems, um das Land trocken zu halten und Versumpfung zu verhindern. Die Deiche, dass Wasser in die richtige, gewünschte Richtung fließt und das ständige Pumpen ist eine ständige Aufgabe und verursacht große Kosten. Ich meine gelesen zu haben, dass alleine für das Pumpen 1 Milliarde Euro jedes Jahr aufgebracht werden müssen.

Jedes Neubaugebiet, das erschlossen werden soll, erfordert sorgfältige Vorüberlegungen. Man kann nicht einfach ein Loch in den Boden buddeln und loslegen. Das Loch wäre nach kurzer Zeit voll mit Wasser gelaufen.

Mir wird schlagartig klar, warum die Niederlande auf mich so einen perfektionistisch bis kleinkarierten Eindruck machen. Wenn genau geregelt ist, wo die Fahrräder zu fahren haben, die Fahrbahnmitte selbst auf langen, einsamen Strecken immer gekennzeichnet ist, genau geregelt ist, wo die Fußgänger zu laufen haben und wo die Räder fahren sollen, die Straßenkreuzungen und Ein- und Ausfahrten auf den Autobahnen mit einem Labyrint von Schildern, Hinweisen, Regelungen gestaltet sind. Hier prägt die Wasserwirtschaft. Nichts wird dem Zufall überlassen, alles ist vorgedacht und gesteuert.

Ich parke im Außenbereich von Haarlem und fahre mit dem Rad in die Stadt. Erster Eindruck: Wie Enkhuizen, nur größer. Also, schöne alte Häuser, ein geschlossenes Stadtbild, Wasser. Aber im Unterschied zu Enkhuizen hat es einen großen Marktplatz, um den die Stadt sich gruppiert und von dem aus viele, kleine Straßen und Gassen ausgehen. Sehr viele, sehr kleine Straßen, wuselig, überladen mit Secondhand-Waren, Künstlerläden, Ateliers, kleinen Cafes und Restaurants, mit wenigen Tischen, viel Decken, Lampen, Sesseln und Sofas, mehr oder weniger gemütlich. Auf mich wirkt es eher puppenstubenhaft, beengt. Es fehlt die Weite, der Blick aufs Wasser, das Offene. Aber das ist schon sehr subjektiv und vielleicht sogar hochnäsig. Auf jeden Fall, eine schöne, sehenswerte Stadt, von der sich jeder selber einen Eindruck verschaffen sollte.

Mir jedenfalls ist es zu eng, alles zu sehr aufeinander und so fahre ich weiter in den Nationalpark Zuid-Kennemerland. Im Besucherzentrum stelle ich mein Auto ab und fahre durch die Dünenlandschaft, die mit vielen Bäumen bewachsen ist. Es ist sonnig, aber es gelingt mir nicht, bis ans Meer vorzustoßen. Nach 6 km bin ich am anderen Ende angelangt – und fahre wieder zurück. Dazwischen gibt es sehr schöne Flecken, z.B. einen kleinen See.



Heute möchte ich aber noch das Meer sehen und so fahre ich weiter nach Ijmuiden.
Ha, hier ich fühle ich mich wohl! Vor mir liegt die Fähre nach Newcastle, bereit zur Abfahrt. Rechts daneben ein riesiges, rostiges Frachtschiff. Ein Containerschiff wird von Schleppern die Amstel hoch gezogen, Lagerhallen, Passagiere, Arbeiter, Touristen, einheimische Angler, aber es verteilt sich über die große Fläche. Man arbeitet, wartet oder schaut. Die Möwen kreischen, es weht ein frischer Wind. Auch ich warte bis das Schiff ablegt und schaue, wie es ins Meer hinausfährt. Dann wird mir kalt, es ist auch kalt. Ich schwinge mich aufs Rad, fahre zum Auto und nach Hause.





Enkhuizen am Morgen, immer einen Blick wert

Auf dem Weg zum Bahnhof

Erster Eindruck von Haarlem

Haarlem, wie Enkhuizen, nur größer

Hübsche Häuser

Viel Wasser

Der Marktplatz



Schöne Häuser um den Markplatz herum



Die Hauptverkehrsstraße, viele Fahrräder. Gefällt mir.

Marktgeschehen

Hier ist das Franz Hals Museum untergebracht. Aber große Besuchergruppen und der Einzelpreis beträgt 23 Euro. Das ist mir heute morgen zu viel.

20 km entfernt das Besucherzentrum des Nationalparks Zuid-Kennemerland

Ein großer Spielplatz

Urwüchsige Landschaft

Plötzlich ein ruhiger See

Schön zu schauen, wie er daliegt. Aber zum Meer finde ich den Weg nicht.

Und die Sonne scheint!

Weite, Industrie, Hafen, Meer -  herrlich!

Hier wartet die Fähre nach Newcastle auf mich - die Motoren laufen schon!

Schiff nach niederländisch Indien (Indonesien)

Hinaus aufs weite Meer

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