16.1. Enkhuizen

Stefan macht 1 Woche Urlaub in Enkhuizen.

Am Abend treffe ich mich mit Dan, dem "Hausmeister", in der nach seiner Meinung einzig akzeptablen Kneipe, in Enkhuizen, im „Slof“ (Hausschuh).
Das Slof erinnert mich an einen bestimmten Typ Kreuzberger Kneipen, wie ich sie in den 70-igern erlebt habe. Holztische, Plüschsofas, Holzboden, dunkel, Krimskrams und Plakate an den Wänden, Musikinstrumente unter der Decke, langer Tresen als Zentrum. Dahinter herrscht Zisu, oder wie immer sie sich schreibt. Eine junge, ansehnliche Frau mit energischer Stimme und wachen Augen. Sie bedient die 4, 5 Männer, die sich am Tresen unterhalten. Man kennt sich. Im Laufe des Abends wechselt die Zusammensetzung, manche gehen, andere kommen. Die Atmosphäre ist familiär, entspannt. Aber eben auch nicht dynamisch. Man hängt so ab. Schwer vorstellbar, das im Unterschied zu den Kreuzberger Nächten dunnemals, das hier über die Weltrevolution gestritten wird oder eine Organisation wie die Vereinigte Ostindische Compagnie (VOC) gegründet wird, was auch in einer Kneipe 1602 in Amsterdam geschah, mit der Holland dann zur Weltmacht aufstieg. Das war übrigens auch die erste Aktiengesellschaft, denn sie wurde zwar von 5 Männern gegründet, aber bald waren über 1.000 Bürger beteiligt, die Anteile kauften und an den Profiten mitverdienten.
Dan ist um die 50 Jahre alt, ist lang und dünn, hat eine Glatze mit nur noch wenigen Haaren, die er zu einer Locke gedreht hat, die sich am Vorderkopf gen Himmel reckt. Er ist seit 7 Jahren freischaffend und arbeitet als Softwareentwickler, meistens von zu Haus aus. Sein zuhause ist das Wohnschiff, auf das ich schaue, wenn ich aus dem Fenster gucke. So ein Schiff kostet um die 200.000 Euro, seines ist immer noch fahrtüchtig.
Seine Frau sammelt und verkauft Pilze in ganz Holland, weshalb sie oft unterwegs ist.
Ich habe etwa die dreifache Trinkgeschwindigkeit von Dan, der jeden einzelnen Schluck erschnüffelt und dann wie kostbaren Wiskey kostet und langsam trinkt. Das ist bei Bier nichts für mich.
Ich laufe noch durch das nächtliche, menschenleere Enkhuizen, es regnet und ist kalt, was auf mich erfrischend wirkt, und falle um Mitternacht in die Falle.

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